Allgemein

Raphael Berger zur Entlassung von Kossmann

RaphaŽl Berger: ''Kossmann war traurig''

sport.ch: Raphaël Berger, wie hat sich der Entscheid, sich von Hans Kossmann zu trennen, entwickelt?
Raphaël Berger: Das hat sich über das Wochenende herauskristallisiert. Die letzten drei Spiele wollten wir abwarten und die Situation neu analysieren. Nach der Niederlage in Lausanne standen 2 Punkte aus diesen Partien zu Buche - viel zu wenig.

Hätte Kossmann bei einem Sieg in Lausanne demnach eine Zukunft gehabt?
Es war einfach zu sehen, dass die erhoffte Aufwärtstendenz ausblieb. Ich kann jetzt nicht sagen, was passiert wäre, wenn wir in Lausanne gewonnen hätten. Wir wollten eigentlich mindestens sechs Punkte aus den drei angesprochenen Spielen.

Wie hat Kossmann reagiert, als Sie ihm die Entlassung mitteilten?
Er war schon ein bisschen traurig. Ihm war bewusst, dass die Situation nicht befriedigend ist und dass er seine Verantwortung tragen muss. Das ist immer so: Wenn etwas Gutes zu Ende geht, ist bei allen Beteiligten eine gewisse Traurigkeit da. Und es waren ja eigentlich drei super Saisons, die wir mit ihm erlebt haben. Immer mindestens im Playoff-Halbfinal, sehr positive Resultate: Wir hatten insgesamt eine tolle Zusammenarbeit.

Es gab also keine bösen Worte oder Auseinandersetzungen?
Absolut nicht, nein.

Hat Kossmann Ihrer Meinung nach selbst überhaupt noch daran geglaubt, dass er das Schiff wieder auf den richtigen Kurs bringen kann?
Das kann ich nicht beurteilen. Aus unserer Sicht kann ich sagen: Wir haben bis jetzt eigentlich immer beide Seiten - das heisst Spieler und Trainer - unterstützt. Es war uns ein Anliegen, sie positiv aufzubauen, damit es wieder aufwärts geht. Das hat nicht geklappt. Und der Trainer ist nun mal für die Resultate verantwortlich, deshalb brauchte es diesen Schritt.

War es im Nachhinein ein Fehler, dass Kossmanns Vertrag im September bis 2016 verlängert wurde?
Wir analysierten die Situation schon im Juni. Damals waren auch nicht alle Faktoren positiv, aber die meisten. Wie gesagt: Wir hatten drei erfolgreiche Saisons hinter uns, das kommt ja nicht von ungefähr.

Trotzdem: Wäre es nicht klüger gewesen, mit Kossmann eine etwas schlechtere Saison einzuziehen und danach weitere Schritte zu planen? Die jetzige Lösung dürfte teuer werden...
Kossmanns zusätzliche Rolle als Sportchef war auch relevant für den jetzigen Entscheid. Die Mannschaft für die nächste Saison wird ja nicht im Januar oder Februar definiert und zusammengestellt, sondern schon im Sommer beziehungsweise Herbst. Derjenige, der künftig dafür zuständig ist, muss auch wissen, wie seine Zukunft aussieht.

Ist das Kader, wie es jetzt aussieht, denn stark genug für die Playoffs?
Klar sind wir im Moment nicht mit allen Spielern zufrieden. Allerdings haben wir das Gefühl, dass einige einfach nicht auf das Niveau kommen, auf dem sie eigentlich spielen könnten. Dafür tragen sie selbst die Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass unser Kader eigentlich gut ist. Wenn alle das Beste geben, haben wir sehr grosse Chancen, auch diese Saison wieder konkurrenzfähig zu sein.

Werden trotzdem noch neue Spieler kommen?
Eine gute Frage, die aber wohl erst beantwortet wird, wenn wir den neuen Trainer verpflichtet haben.

Wie lange geben Sie sich dafür Zeit?
Das Ziel ist, maximal 2 oder 3 Spiele mit der Interimslösung (René Matte/Dany Gelinas, Anm. d. Red.) zu absolvieren und in etwa 10 Tagen den neuen Trainer präsentieren zu können.

In welche Richtung suchen Sie? Wird eine Schweizer Lösung oder eine ausländische angestrebt?
Wir müssen eigentlich nicht gross suchen, die Leute kommen alle zu uns. Es ist aber noch alles offen. Wir werden die Profile analysieren und denjenigen auswählen, der uns im Moment und in der Zukunft am besten weiterhelfen kann. Wir hoffen, dass der neue Trainer eine langfristige Lösung sein kann und nehmen uns für die Entscheidung genügend Zeit.

Wie viele Bewerbungen sind denn schon bei Ihnen eingegangen?
Ich habe seit Wochen viele Anrufe und E-Mails bekommen, die ich jedoch nie beantwortet habe. Der Job des Kontakteknüpfens fängt jetzt an. Es werden ziemlich viele Trainer interessiert sein. Als wir Hans Kossmann verpflichtet haben, gab es 25 oder 30 Bewerbungen, allerdings war das am Ende der Saison. Das ist schon noch etwas anderes.

Sie haben gesagt, dass die Spieler nun ebenfalls in der Verantwortung sind. Wo erwarten Sie konkret Verbesserungen?
Es braucht allgemein ein Effort des Teams, aber von einigen Spielern erwarten wir eine konkrete Leistungssteigerung - und zwar schon in den nächsten Partien.

sport.ch / 13.10.2014 / Christian Zürcher