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Klotener Jubel mit neuen Gesichtern

Klotener Jubel mit neuen Gesichtern

Tages Anzeiger / 08.04.14 / Philipp Muschg / Originalbericht

Die Flyers stehen dank dem 4:1 gegen Fribourg im Final – Felix Hollensteins frühere Rollen spielten andere.

Fast, fast war es wie früher. Jubelgesänge klangen vielkehlig von den Tribünen, Trommeln dröhnten aus dem Fanblock, in den Katakomben drängelten sich nach dem letzten Match gegen Fribourg die Journalisten. Fast war es wie 1993 und 1994, in den ersten Meisterjahren der Playoff-Ära. Auch damals war ein gewisser Felix Hollenstein für Kloten ­tätig, doch die Zeiten ändern sich. In jenen Jahren war die Serie gegen Gottéron jeweils der Final und Hollenstein der Captain, der in verschwitzter Ausrüstung und mit Zigarre im Mund Audienz hielt. Ganz anders gestern.
Der Mann, der im weissen Hemd und dunklen Jackett vor die Medien tritt, ist unübersehbar stolz und glücklich, aber nüchtern. Eben hat er wie jeder seiner Spieler die Gratulationen von Präsident Gaydoul entgegengenommen, nun ist er schon wieder im Playoff-Modus. «Wir haben noch nichts gewonnen», wiederholt der 49-Jährige, und auch die ewige Playoff-Devise wird von den Journalisten ­gewissenhaft notiert: «Wir nehmen es weiter Spiel für Spiel, Drittel für Drittel, Einsatz für Einsatz.»

Immer war Hollenstein dabei
Mit diesem einfachen Rezept haben es die Flyers zum 9. Mal in den Playoff-Final geschafft. Und immer war Hollenstein dabei – als Jungstar, als Captain, als Assistenzcoach und nun auch als Cheftrainer. Es war, nach 29 Jahren im Club, eine Premiere. Hollensteins alte Rollen spielten gestern andere.
Da war Bodenmann, der den Part des Jungstars gab. Der Nationalstürmer war anstelle des angeschlagenen Mueller in den ersten Block gerückt, schoss nur ­Sekunden nach der zweiten Pause das 1:0 und bereitete später auch das 3:1 vor, als er Fribourg-Verteidiger Ngoy mit einem Check lehrbuchmässig vom Puck trennte. Man schrieb die 33. Minute – jene Minute, in der Gottéron unterging.
Denn nur 13 Sekunden vor dem 3:1 hatte ein anderer Klotener Hauptdarsteller seinen grossen Auftritt gehabt: Stancescu. Als Captain ging er, wie schon beim Siegtreffer in der Verlängerung von Spiel 2, mit bestem Beispiel voran, tankte sich durch die Mittelzone, brachte den Puck aufs Tor – und Goalie Conz liess ihn zur Freude des Publikums zwischen den Schonern ins Tor gleiten.

Das Warten auf Conz’ Fehler
Zwei eklatante Fehler hatten die Freiburger zu diesem Zeitpunkt begangen, beide hatten zu einem Gegentor geführt. Die Taktik des Teams von Hans Kossmann war binnen Sekunden gescheitert. Denn so defensiv wie in den ersten zwanzig ­Minuten hatte man es in dieser Serie noch nie auftreten sehen, und Klotens einziges Rezept dagegen waren Abschlussversuche aus allen Lagen gewesen. 18:4 lautete das irreführende Schussverhältnis nach einem Drittel, doch die Hoffnung, der in dieser Serie wenig überzeugende Conz würde einen Fehler begehen, wurde fürs Erste enttäuscht.

Als dieser Fehler in der 33. Minute dann kam, brachen die Dämme. Auf dem Eis, wo Santala und Hennessy die Führung auf 4:1 ausbauten. Aber auch auf den Rängen, wo stehende Ovationen die Spieler durch die Schlussminuten trugen. Dass Fribourg nach dem zwischenzeitlichen 1:1 (28.) das gefährlichere Team war, dass Gerber einmal mehr überragend war, dass die Flyers noch vor drei Tagen einen scheinbar ­sicheren Sieg aus der Hand gegeben hatten: All das waren jetzt bloss noch Facetten eines Eishockeyfests, das in Jubelstürmen endete. Die Kloten Flyers bestreiten ab Samstag den Playoff-Final.